Zweisprachige Bücher: Englisch lesen, Deutsch prüfen
Zweisprachige Bücher für Erwachsene: Prüfe Textauswahl, Übersetzung und Satzspiegel. Mit dtv-Beispiel und einer analysierten Stelle aus Oscar Wilde.
LexicAIze8 min

Zweisprachige Bücher helfen dir beim Lesen englischer Texte, wenn du eine unklare Stelle schnell auf Deutsch prüfen und danach ins Englische zurückfinden kannst. Schau deshalb vor dem Kauf auf eine Doppelseite: Gehören die Absätze sichtbar zusammen? Ist der Text vollständig oder eine Auswahl? Wer hat übersetzt? Das sind bessere Fragen als die, ob auf dem Umschlag irgendwo "leicht" steht.
Die deutsche Seite sollte eine konkrete Frage beantworten. Wer handelt gerade? Worauf bezieht sich dieses Wort? Wo steckt die Verneinung? Wenn sie dir nur erlaubt, den englischen Absatz ungelesen zu überspringen, hast du zwar eine bequeme Ausgabe gefunden. Ob du damit Englisch liest, bleibt offen.
Zweisprachige Bücher brauchen einen gut sichtbaren Rückweg
Beim Paralleldruck stehen Original und Übersetzung so nebeneinander, dass du zwischen ihnen wechseln kannst. Das klingt nach einer Frage des Einbands. Beim Lesen wird daraus eine Frage der Aufmerksamkeit: Findest du nach einem Blick auf die rechte Seite die angefangene englische Zeile noch wieder, oder beginnt jedes Mal eine kleine Suchaktion?
Prüfe das an einem Dialog. Im Englischen spricht eine Figur zwei kurze Sätze, die deutsche Übersetzung braucht dafür vielleicht drei Zeilen mehr. Unterschiedliche Längen sind kein Übersetzungsfehler. Die Gestaltung muss trotzdem erkennen lassen, welche Passage zu welcher gehört. Bei einem Gedicht kommen noch Zeilenumbrüche hinzu, die du nicht wie beliebige Druckzeilen behandeln solltest.
Ein nützliches Urteil lässt sich schon an der Probe treffen: Du solltest beide Sprachen gut lesen können, ohne die Schrift winzig zu stellen, und einen Absatz eindeutig wiederfinden. Auf Papier können gegenüberliegende Seiten dafür günstig sein. Auf einem kleinen Bildschirm werden zwei Spalten schnell schmal. Das schönste Layout hat wenig gewonnen, wenn ein Nebensatz darin wie eine Einkaufsliste aussieht.
Dabei geht es nicht darum, die deutsche Seite möglichst selten anzusehen. Es geht darum, mit einem bestimmten Ergebnis zurückzukehren. Nach der Klärung solltest du im englischen Satz erkennen, was du vorher nicht verstanden hast. Sonst hat die Übersetzung nur vorübergehend das Steuer übernommen.
Die ausführlichere Anleitung zum Sprachenlernen durch Lesen behandelt die Auswahl eines passenden Textes. Hier geht es um die Ausgabe: Sie kann den Zugang erleichtern, aber sie kann einen für dich unüberschaubaren Absatz nicht allein durch die zweite Sprache zu einer guten Übung machen.
Was eine Einsteiger-Ausgabe tatsächlich verspricht
Im deutschen Buchhandel ist dtv zweisprachig eine naheliegende Anlaufstelle. Die Verlagsseite zu First Reader: Erste englische Lesestücke beschreibt kurze englische Texte mit parallel gedruckter Übersetzung und ordnet den Band als Einsteiger-Ausgabe ein. Hella Leicht wird als Übersetzerin genannt. Das ist eine brauchbare Ausgangsinformation, noch kein persönlicher Lesetest.
Eine solche Sammlung kann für Erwachsene sinnvoll sein, die zunächst eine abgeschlossene kurze Einheit lesen möchten. Schau trotzdem in die Auswahl: Möchtest du diese Texte lesen? Ein kurzes Stück, das dich nicht interessiert, bleibt kurz und uninteressant. Umgekehrt ist ein bekannter Roman nicht automatisch die bessere erste Wahl, nur weil du den Titel schon aus dem Kino kennst.
Die Bezeichnungen Einsteiger, Fortgeschrittene und Könner sind die Einteilung dieser Verlagsreihe. Du solltest daraus nicht selbstständig eine Zertifizierung nach A2, B1 oder B2 ableiten. Für deine Entscheidung zählt die konkrete Seite. Kannst du die Handlung mit gelegentlichem Blick auf Deutsch verfolgen? Oder brauchst du nach jedem Satz erst eine Erklärung der Erklärung?
Als praktische Orientierung kann ein Leser ungefähr auf B1 eine kurze Originalpassage mit Unterstützung versuchen. Das ist eine redaktionelle Einschätzung über eine mögliche Arbeitsweise, kein zugesichertes Niveau eines ganzen Buches. Mit weniger Sprachkenntnissen kann ein ausdrücklich vereinfachter Text geeigneter sein. Mit mehr Sprachkenntnissen kannst du die Übersetzung für schwierige Stellen bereithalten und längere Abschnitte im Original lesen.
Eine zweisprachige Ausgabe und eine vereinfachte Lektüre sind unterschiedliche Dinge. Die eine ergänzt eine zweite Sprachfassung; die andere verändert möglicherweise Wortschatz oder Satzbau. Beides kann nützlich sein. Die Ausgabe sollte dir nur sagen, was sie getan hat. Achte auf Begriffe wie Auswahl, gekürzt oder bearbeitet, bevor du von einem vollständigen Original ausgehst.
Bei Wilde entscheidet ein kleines Wort über die Pointe
Ein kurzer Satz aus The Importance of Being Earnest zeigt, worauf es beim Vergleichen ankommt. Im ersten Akt hat Jack seine Erklärung gerade als die ganze Wahrheit bezeichnet. Algernon antwortet im englischen Text bei Project Gutenberg:
The truth is rarely pure and never simple.
Eine Arbeitsübersetzung für dieses Beispiel lautet: "Die Wahrheit ist selten rein und niemals einfach." Sie stammt aus diesem Artikel, nicht aus einer hier besprochenen deutschen Buchausgabe. Schon diese Trennung ist beim Vergleich nützlich: Du solltest wissen, ob du die Entscheidung eines genannten Übersetzers liest oder eine Erläuterung zum Satz.
Rarely und never leisten nicht dasselbe. Die Wahrheit ist nach Algernon selten rein, aber niemals einfach. Würdest du beide Teile mit "nicht immer" wiedergeben, wäre der Satz vorsichtiger und seine zweite Hälfte schwächer. Übersetzen heißt hier nicht nur, für truth, pure und simple deutsche Wörter zu finden. Die Abstufung gehört zum Witz.
Auch pure verlangt einen Blick auf die Situation. Jack hat gerade die Wendung pure and simple benutzt. Algernon nimmt ihre Bestandteile auseinander und gibt sie als Behauptung über die Wahrheit zurück. Wer nur die isolierte Antwort übersetzt, versteht den Gedanken vielleicht schon. Wer die vorherige Replik mitliest, erkennt zusätzlich, worauf Algernon reagiert. Die Übersetzung darf helfen, aber sie ersetzt nicht die Zuordnung der Sprecher.
Das ist ein überschaubarer Versuch für deine erste Doppelseite. Lies den kleinen Dialog zunächst auf Englisch und benenne die offene Frage. Prüfe sie auf Deutsch. Lies anschließend beide englischen Repliken noch einmal, diesmal mit besonderem Blick auf rarely und never. Du musst den Satz nicht auswendig aufsagen können, um einen Unterschied erkannt zu haben.
Es wäre übertrieben, daraus nach einer einzigen Begegnung einen Lernerfolg für die Zukunft abzuleiten. Du hast eine Stelle genauer gelesen. Das ist ein vernünftiges Ergebnis für ein paar Minuten, ohne dass gleich das ganze Sprachlernleben neu geordnet werden muss.

Übersetzer, Auswahl und Dateiformat getrennt prüfen
Der Name des Autors sagt noch nicht, welche deutsche Fassung du vor dir hast. Suche nach dem Übersetzer und den Angaben zur Ausgabe. Eine ältere Übersetzung kann interessant sein und zugleich deutsche Wendungen verwenden, die dir heute fremd vorkommen. Eine neue Übersetzung ist nicht allein wegen ihres Erscheinungsjahrs genauer. Für dein Vorhaben zählt, ob sie eine schwierige Beziehung im Satz verständlich macht, ohne sie unbemerkt zu verändern.
Vergleiche deshalb nicht nur Substantive. Achte darauf, wer etwas behauptet, ob ein Satz eine Möglichkeit oder eine Gewissheit ausdrückt und wie stark seine Verneinung ist. Bei Wilde war genau diese Abstufung entscheidend. Bei einem Krimi kann sie darüber bestimmen, ob eine Figur etwas weiß oder nur vermutet. Eine flüssige deutsche Formulierung verdient Aufmerksamkeit, keine automatische Zustimmung.
Bei einer digitalen Übersetzung gilt dieselbe Prüfung. Wenn eine Zuordnung merkwürdig wirkt, kehre zur Passage davor zurück oder schlage das fragliche Wort im Zusammenhang nach. Ein plausibel klingender Satz kann trotzdem den falschen Sprecher meinen. Die zweite Sprache ist eine Hilfe beim Kontrollieren, nicht die Instanz, die jede Unklarheit endgültig beseitigt.
Das Dateiformat ist eine weitere Entscheidung. In einem EPUB verändert sich die Seitenaufteilung mit Schriftgröße und Bildschirm. Ein Aufbau mit Originalabsatz und anschließender Übersetzung kann auf einem E-Reader praktischer sein als enge Spalten. Prüfe eine Dialogseite und eine Stelle mit Anmerkung auf dem Gerät, auf dem du tatsächlich lesen willst. Ein Werbebild auf einem großen Monitor beantwortet diese Frage nicht.
Eine Lese-App und ein herunterladbares zweisprachiges EPUB sind ebenfalls zwei verschiedene Angebote. LexicAIze zeigt beim Lesen Original und Übersetzung zusammen. Der separate EPUB-Übersetzer liefert Dateien zum Herunterladen, darunter eine Fassung mit Originalabsatz und nachfolgender Übersetzung. Die Lese-App selbst ist damit nicht zum Exportprogramm erklärt. Wenn du eine Datei für einen anderen Reader brauchst, prüfe genau dieses Ergebnis.
Dass ein alter Originaltext frei zugänglich ist, macht eine aktuelle deutsche Übersetzung nicht automatisch frei verwendbar. Halte die Angaben der konkreten Ausgabe fest. Die Möglichkeit, etwas zu lesen, ist keine pauschale Erlaubnis, eine bearbeitete Fassung weiterzuverbreiten.
Die deutsche Seite muss nicht verschwinden
Es gibt keinen überzeugenden Grund, dir schon beim Kauf einen Termin zu setzen, an dem du die Übersetzung nicht mehr ansehen darfst. Entscheide nach Passage. Eine Unterhaltung kannst du vielleicht durchlesen, während du bei einer Beschreibung nach einem Satz Hilfe brauchst. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Eigenschaft des Textes.
Prüfe lieber, was nach dem Nachsehen geschieht. Erkennst du im Original die geklärte Beziehung wieder? Wenn ja, lies weiter. Wenn du stets wieder den gesamten deutschen Absatz benötigst, wähle eine kleinere Einheit oder einen leichter zugänglichen Text. Für die Auswahl findest du in den englischen Büchern für Anfänger konkrete Originalpassagen mit ehrlichen Grenzen der Einordnung.
Du kannst Übersetzungen auch vergleichen, obwohl du das Englische schon verstehst. Dann suchst du nach einer Entscheidung über Ton, Rhythmus oder Bedeutung. Das ist ein anderes Leseziel als die Überbrückung einer Wortlücke und darf genauso viel Platz haben.
Zweisprachige Bücher sind dann gut gewählt, wenn du weißt, warum du auf die andere Seite siehst. Die Übersetzung darf bleiben. Interessant wird, welche Frage du ihr beim nächsten Absatz stellst.
In LexicAIze kannst du das Original neben seiner Übersetzung lesen und die Bedeutung eines Wortes in seinem Satz prüfen. Probiere eine Passage und kehre nach der Klärung zur englischen Formulierung zurück.
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